Die Zahl der Menschen, die Hilfe bei der Schuldnerberatung suchen, nimmt in Borken zu. Das bilanziert Andreas Dawo, Leiter der Caritas-Schuldner-Beratung.
Obwohl die Konjunktur wieder in Schwung gekommen ist, nimmt die Zahl der
Menschen, die Hilfe bei der Schuldnerberatung suchen, zu. 700 Klienten haben Andreas Dawo, Leiter der Caritas-Schuldner-Beratung, und sein Team in den Dekanaten Borken und Ahaus/Vreden im vergangenen Jahr „intensiv beraten und betreut“. Das waren laut Dawo 100 mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen rund 500 Kurzberatungen von Menschen, die eine Bescheinigung für ein so genanntes P-Konto – pfändungssicherer Betrag von 1028 Euro bei Alleinstehenden – benötigten.
Auffallend ist laut Dawo, dass 70 Prozent der Klienten „in Arbeit sind“. Allerdings liege ihr Einkommen oftmals nur knapp über dem Existenzminimum. „Wenn dann zum Beispiel die Reparatur des für die Arbeit benötigten Autos ansteht, reicht das Geld schon nicht mehr“, weiß Dawo. Außerdem wüssten manche Betroffene auch nicht, dass ihnen ergänzende Sozialleistungen zustehen, zum Beispiel aus dem Bildungs- und Teilhabegesetz.
Eine „schleichende Zunahme“ verzeichnet Dawo bei Rentnern, die Hilfe und Beratung seines Fachbereichs brauchen. „Viele sind auf einen 400-Euro-Job angewiesen, um über die Runden zu kommen“, beobachtet er.
Die gestiegenen Beratungszahlen führt Dawo unter anderem auch darauf zurück, dass Betroffene frühzeitiger Hilfe in Anspruch nehmen. „Die Hemmschwellen sind geringer geworden“, sagt er. Damit konnten Privat-Insolvenzen in vielen Fällen vermieden werden, freut sich Dawo. „Oftmals gelingt es in einem frühen Stadium, Ratenzahlungen zu reduzieren, Stundungen zu erreichen oder Vergleiche zu schließen“, berichtet Dawo. Dazu allerdings bräuchten die Betroffenen die Unterstützung einer Beratungsstelle. Banken und Gerichtsvollzieher würden Schuldner inzwischen auf diese Möglichkeiten hinweisen.
(Quelle: Borkener Zeitung, Marita Rinke)