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Eigentlich sagen die Akten gar nichts. Da steht zwar, welche Medikamente jeder bekommt. Ob derjenige Hilfe braucht, um sich waschen zu können. Nicht aber, ob die Menschen so betreut werden, wie sie es brauchen. Oder nur verwahrt. Waltraud Büttner und Heinrich Diehlmann setzen sich deshalb für Bewertungskriterien in der Altenpflege ein, die weniger auf Dokumentation fußen. Obwohl ihr Seniorenheim in genau diesem System gerade bestens abgeschnitten hat.
Das Prädikat hat einen blauen Balken. In der Mitte steht fett: Eins komma Eins. So hat das Caritas-Seniorenheim St. Friedrich bei einer Prüfung durch den Medizinischen Dienst des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV), der sich die Arbeit mit dem MDK teilt, jüngst abgeschnitten. Und damit könnten sich Heimleiter Heinrich Diehlmann und Pflegedienstleiterin Waltraud Büttner eigentlich begnügen. Medizinische Versorgung, Verpflegung, Hygiene – alles Note „sehr gut“. „Jede Prüfung hat aber ihre Schwächen“, sagt Frau Büttner.
Gesetzliche Anforderungen
Zwar freuen sich Büttner und Diehlmann über das Ergebnis: „Das heißt für uns, dass wir die gesetzlichen Anforderungen sehr gut erfüllen. Das Ganze ist aber sehr dokumentationslastig.“ Wie Pflegeeinrichtungen und -dienste abschneiden, hängt hauptsächlich davon ab, wie sauber sie Daten und Arbeitsabläufe notieren. Die Prüfer kommen unangemeldet. Sie sehen sich die Akten an, sprechen mit den Bewohnern.
Allerdings nur mit einem kleinen Teil – in der Wessumer Einrichtung befragten die Kontrolleure sechs von insgesamt 70 Männern und Frauen. „Das ist die Kritik: in erster Linie geht es um die Dokumentation, nicht um die Menschen“, sagt Büttner. Denn für die sei die Lebensqualität entscheidend. Nicht, ob ihr Geburtsjahr richtig notiert ist oder ob ein separates Blatt existiert, auf dem die Zufriedenheit chronologisch erfasst ist.
Freiwilliger Test
Die Caritas-Seniorenheime haben sich vor kurzem freiwillig einem Test der „Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung“ (BIVA) unterzogen (Die MLZ berichtete).
Der untersucht, wie verbraucherfreundlich Heime sind. St. Friedrich und die anderen haben zum zweiten Mal bestanden. Der Test stellt mehr als der MDK die Bewohner in den Vordergrund. Heinrich Diehlmann und Waltraud Büttner genügt das allerdings noch nicht: Das Seniorenheim will nun eine Alternative zu beiden Tests ausprobieren. Das Haus wird sich mit 40 anderen Altenhilfe-Einrichtungen aus der Diözese Münster im Herbst dieses Jahres am „Ergebnisorientierten Qualitätsmodell Münster“ beteiligen. Das ist ein Testverfahren, das das Bielefelder Institut für Pflegewissenschaft und das Kölner Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik entwickelt haben.
Damit können die Wissenschaftler zum Beispiel ermitteln, wie häufig Bewohner stürzen oder wie gesund ihre Haut aussieht. Büttner: „Wir hoffen, dass das Verfahren zu einer anerkannten Alternative wird, die andere Tests optimiert.“
- Transparenzbericht St. Friedrich Wessum 2012
- Ansprechpartnerin: Waltraud Büttner











